Ballett zu Le Chinois poli en France

GluckWV 2.8

Allgemeines

Wotquenne-Nummer: deest

Werktyp: Ballett

Werkbezeichnung: Ballet

Uraufführungsort: 27. Mai 1759, Schloss Laxenburg

Authentizität: zugeschrieben (Musik verschollen)

Personen

Genese

Entstehung:

Fürst Johann Josef Khevenhüller-Metsch berichtet in seinem Tagebuch1 am 27. Mai 1759 von einem "gedoppelte[n] Spectacle", das in Laxenburg gezeigt wurde: Neben dem Lustspiel Zenéïde (von Louis de Cahusac, 1743) wurde die Opéra-comique Le Chinois poli en France aufgeführt, die mit einem chinesischen Ballett beschlossen wurde. Bei Le Chinois poli en France handelte es sich um ein Pasticcio basierend auf einem Text von Louis Anseaume, das an die erfolgreiche Aufführung von Glucks Le cinesi (1754) anschloss und bereits 1756 in Laxenburg zu sehen gewesen war. Auch diese Produktion wurde von einem chinesischen Ballett beschlossen, das von Joseph Starzer komponiert und von Antoine Pitrot, dem führenden Tänzer des Dresdner Hofs, der für mehrere Gastspiele nach Wien kam, choreographiert worden war (Abschrift I-Tn, Foa 102-104). Gluck verwendete aus Starzers Komposition Musik für sein Ballett Le Naufrage (vgl. den Eintrag zu Le Naufrage) weiter. In Paris hatte der Choreograph Jean-Baptiste Dehesse 1748 mit seinem Ballett Opérateur chinois (1748) einen großen Erfolg erzielen können, an den Pitrot mit seinem Les Jardins chinois (1754) angeknüpft hatte, aus dem er vermutlich für seine Wiener Choreographie zu Le Chinois poli en France schöpfte. Auch für das neue Ballett der Wiederaufnahme wurde laut Khevenhüllers Aussage der chinesische Stoff der Oper aufgegriffen und damit ein typisch exotisches Nationenballett gezeigt. Aufgrund von Glucks Anstellung als "Compositore von der Music zu denen Balletten" in der Saison 1759/60 an beiden Wiener Theatern kann vermutet werden, dass er für die Musik des Finalballetts der Opéra-comique Le Chinois poli en France verantwortlich war. Nachdem Franz Hilverding Wien in Richtung St. Petersburg verlassen hatte, übernahm Gasparo Angiolini dessen Posten als Hofballettmeister am Burgtheater, weswegen die Choreographie des Balletts ihm zu zuschreiben ist.2 Möglicherweise wirkte bei der Aufführung von 1759 Louis Joffroy-Bodin mit, die nicht nur als Tänzerin, sondern auch als Sängerin in den Wiener Opéras-comiques auftrat und bereits 1756 die Rolle der Égle in Le Chinois poli en France gegeben hatte.

Laut Hofzahlamtsbüchern3 waren zu Beginn der Saison 1759/60 am Burgtheater folgende Tänzerinnen und Tänzer beschäftigt:
[Louise] Joffroy[-Bodin] und [Pierre] Bodin
[Teresa] Fogliazzi und [Gasparo] Angiolini
[Jean] Dupré
[Vincenzo und Francesco] Turchi
Maria Ester Boccherini
[François] La Comme
[Annibale] Barsi

2Vgl. hierzu Riki Raab, Biographischer Index des Wiener Opernballetts von 1631 bis zur Gegenwart, Wien 1994.
3Hofkammerarchiv, Hofzahlamtsbücher (Theatral-Cassa), Wien, Österreichisches Staatsarchiv, AT-OeStA/FHKA SUS HKZAB.

Werkgeschichte:

Informationen über Nachfolgeaufführungen sind keine bekannt, da die Aufzeichnungen Philipp Gumpenhubers für das Burgtheater der Saison 1759/60 fehlen.

Zeitgenössische Berichte:

1Aus der Zeit Maria Theresias. Tagebuch des Fürsten Johann Josef Khevenhüller-Metsch Kaiserlichen Obersthofmeisters 1742–1776, hrsg. von Rudolf Graf Khevenhüller-Metsch und Hanns Schlitter, Bd. 5: 1758–1759, Wien–Leipzig 1911, S. 104.

Uraufführungsort:

Werkteile

Übernahmen

keine

Quellen

keine

Literatur

Brown, Bruce Alan: Christoph Willibald Gluck and Opéra-Comique in Vienna, 1754–1764, 2 Bde., Ph. D. University of California, Berkeley 1986.

Brown, Bruce Alan: Gluck als Hauskomponist für das französische Theater in Wien, in: Gluck in Wien. Kongreßbericht Wien 1987 (= Gluck-Studien 1), hrsg. von Gerhard Croll und Monika Woitas, Kassel usw. 1989, S. 89–99. ISBN/ISSN: 3761809298, 9783761809297

Brown, Bruce Alan: Gluck and the French Theatre in Vienna, Oxford 1991. ISBN/ISSN: 0193164159

Brown, Bruce Alan und Rushton, Julian: Gluck, Christoph Willibald, in: The New Grove Dictionary of Music and Musicians, Second Edition, Vol. 10 Glinka to Harp, hrsg. von Stanley Sadie und John Tyrrell, Oxford 2001, S. 24–58.

Haas, Robert: Gluck und Durazzo im Burgtheater (Die Opéra comique in Wien), Zürich–Wien–Leipzig 1925.

Raab, Riki: Biographischer Index des Wiener Opernballetts, Wien 1994. ISBN/ISSN: 9783851192551

Zechmeister, Gustav: Die Wiener Theater nächst der Burg und nächst dem Kärntnerthor von 1747 bis 1776 (= Theatergeschichte Österreichs III/2), Wien 1971.

Erstellt von: Vera Grund
Zitierhinweis: Christoph Willibald Gluck. Sämtliche Werke, GluckWV-online, URI: http://www.gluck-gesamtausgabe.de/id/2-08-00-0 (14.12.2018)

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