Diane et Endimion (La Fable de Diane et Endimion)

GluckWV 2.55

Allgemeines

Wotquenne-Nummer: deest

Werktyp: Ballett

Werkbezeichnung: Grand Ballet

Uraufführungsort: 13. Juni 1761, Schloss Laxenburg

Informationen zur Uraufführung:

Ausführende: Endimion - Jean Dupré, Diana - Marianne Le Clerc, Pas de deux L'Amour - Pierre Bodin und Adriana Giropoldi, Concert - Jean Baptiste Grandchamp und Carolina Grandchamp, Jacques Héloin und Maria Anna Héloin, Querin und Susanne Mitt(in), Antoine Durval und Thérèse (?) Decamp, Johann Hopp und Rosalie Grangé; Choreograph - Jean Dupré

Authentizität: zugeschrieben (Musik verschollen)

Genese

Entstehung:

Am 13. Juni berichtet Philipp Gumpenhuber in seinem Repertoire des Burgtheaters für das Jahr 17611 von einer Vorstellung in Laxenburg, bei der Corneilles Le Comte d'Essex (1678) gegeben wurde, Jean-Joseph Vadés Opéra-comique Le Trompeur trompé (1754) gefolgt von einem "grand Ballet nouveau" Diana et Endimion als Finalballett. Gustav Zechmeister gab als Choreograph Gasparo Angiolini an.2 Wie den Aufzeichnungen Gumpenhubers jedoch eindeutig zu entnehmen ist, war der Tänzer Jean Dupré, der im Jahr 1761 mehrfach als Choreograph in Erscheinung trat (vgl. Ballett zu L'Ivrogne corrigé und Ballet sérieux), dafür verantwortlich. Er interpretierte außerdem die Rolle des Endimion, während seine Partnerin Marianne Le Clerc die Rolle der Diana tanzte. Pierre Bodin und Adriana Giropoldi tanzten einen mit "L'Amour" bezeichneten Pas de deux. Als Requisiten zur Aufführung gibt Gumpenhuber sieben Girlanden und neun Pfeile an, die vermutlich entweder zur Ausstattung Amors oder Dianas zählten.

Im Zusammenhang mit den Vorbereitungen zur Hochzeit des zukünftigen Kaisers Joseph II. mit Isabella von Bourbon-Parma hatte der Theaterdirektor Giacomo Durazzo mit Charles-Simon Favart über die Möglichkeiten einer Aufführung eines Balletts Les Albanes ou l'Amour vengé korrespondiert, diese jedoch aufgrund der hohen Ansprüche an Theaterausstattung sowie die Tänzerinnen und Tänzer wieder verworfen.3 Die Beschäftigung mit dem Sujet resultierte vermutlich in den Ballettkompositionen Les Faunes und Diane et Endimion. Favarts Text setzte auf die theatrale Wirkung einer Fülle von Fabelwesen wie Nymphen, Genien, Faune etc., die in die dramatische Handlung eingebunden werden: Cupido will sich an Diana rächen, die ihn jedoch überwältigt, seine Pfeile zerstört und die Flügel bricht. Seine Mutter Venus pflegt ihn gesund und so gelingt Cupido nach einem Wettkampf mit Mars die Vergeltung: Indem er seinen Pfeil auf Diana abschießt, lässt er sie unstandesgemäß für den Hirten Endimion entflammen.

Das Sujet erfreute sich bereits seit dem frühen 18. Jahrhundert großer Beliebtheit und so war Favart seinerseits sicher durch Vorgängerwerke wie Luigi Riccobonis Pastorale Italienne Diane et Endimion, ou l’Amour vengé (1721) oder durch Fuzeliers Ballett héroique Diane et Endimion in Les Amours de Déesses (1729) beeinflusst. Später versuchte sich Niccolò Piccinni mit der Oper Diane et Endimion (1784) wenig erfolgreich an dem Stoff. Der Choreograph und Tänzer Jean Georges Noverre verarbeitete das Sujet ebenfalls als Ballett – erstmals bereits in den 1760er Jahren und erneut 1770 für eine Aufführung anlässlich eines Zusammentreffens Kaiser Josephs II. mit dem Preußischen König Friedrich II. – wies jedoch in seinen Lettres auf dessen Schwäche – mangelnde "Vraisemblance" – hin.4

Werkgeschichte:

Die Version Duprés, für deren musikalische Gestaltung Gluck aufgrund seiner Anstellung als Komponist für die Ballettmusiken des Burgtheaters in der Saison 1761/62 als verantwortlich gelten kann, bewährte sich jedoch zumindest als Sommerballett: Bereits wenige Tage nach der Aufführung in Laxenburg wurde es am 16. Juni gemeinsam mit Les Sauvages américains am Burgtheater gezeigt. Es folgte eine Wiederholung in Laxenburg (18. Juni) unter der Bezeichnung La Fable de Diane et Endimion und zahlreiche weitere im Burgtheater während der Sommermonate (23., 24., 27., 28., 29. Juni, 5., 8., 9., 15., 16., 22., 23., 30. Juli, 8., 12., 19. August).

2Vgl. Gustav Zechmeister, Die Wiener Theater nächst der Burg und nächst dem Kärntnerthor von 1747 bis 1776, Wien 1971, S. 254, 311, 469.
3Vgl. Bruce Alan Brown, Gluck and the French Theatre in Vienna, Oxford 1991, S. 275–277 und 470.
4Vgl. Jean Georges Noverre, Lettres sur la danse, et sur les balletssur la danse, Wien: Ghelen 1767, S. 36f. Zu weiteren Ballettversionen des Stoffs siehe auch Sibylle Dahms, Das Repertoire des Ballet en action. Noverre - Angiolini - Lauchery, in: De editione musices, Festschrift Gerhard Croll zum 65. Geburtstag, hrsg. von Wolfgang Gratzer und Andrea Lindmayr, Laaber 1992, S. 125–142: 134.

Zeitgenössische Berichte:

1Philipp Gumpenhuber, Répertoire de tous les Spectacles qui ont été donnés au Théâtre près de la Cour, Einträge vom 13., 16., 18., 23., 24., 27., 28., 29. Juni, 5., 8., 9., 15., 16., 22., 23., 30. Juli, 8., 12., 19. August 1761 (A-Wn, Mus. Hs. 34580a).

Uraufführungsort:

Werkteile

Übernahmen

keine

Quellen

keine

Literatur

Hárich, János: Inventare der Esterházy-Hofmusikkapelle in Eisenstadt, in: Das Haydn-Jahrbuch 9, Wien 1975, S. 5–11 und 67–125.

Brown, Bruce Alan: Gluck als Hauskomponist für das französische Theater in Wien, in: Gluck in Wien. Kongreßbericht Wien 1987 (= Gluck-Studien 1), hrsg. von Gerhard Croll und Monika Woitas, Kassel usw. 1989, S. 89–99. ISBN/ISSN: 3761809298, 9783761809297

Brown, Bruce Alan: Gluck and the French Theatre in Vienna, Oxford 1991. ISBN/ISSN: 0193164159

Brown, Bruce Alan und Rushton, Julian: Gluck, Christoph Willibald, in: The New Grove Dictionary of Music and Musicians, Second Edition, Vol. 10 Glinka to Harp, hrsg. von Stanley Sadie und John Tyrrell, Oxford 2001, S. 24–58.

Dahms, Sibylle: Das Repertoire des Ballet en action. Noverre - Angiolini - Lauchery, in: De editione musices, Festschrift Gerhard Croll zum 65. Geburtstag, hrsg. von Wolfgang Gratzer und Andrea Lindmayr Normal, Laaber 1992, S. 125–142.

Zechmeister, Gustav: Die Wiener Theater nächst der Burg und nächst dem Kärntnerthor von 1747 bis 1776 (= Theatergeschichte Österreichs III/2), Wien 1971.

Erstellt von: Vera Grund
Zitierhinweis: Christoph Willibald Gluck. Sämtliche Werke, GluckWV-online, URI: http://www.gluck-gesamtausgabe.de/id/2-55-00-0 (23.11.2019)

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