Iphigénie (Ifigenia in Aulide)

GluckWV 2.74

Allgemeines

Wotquenne-Nummer: deest

Werktyp: Ballett

Uraufführungsort: 19. Mai 1765, Schloss Laxenburg

Authentizität: zugeschrieben (Musik verschollen)

Personen

Genese

Entstehung:

Wie dem Tagebuch von Fürst Johann Josef Khevenhüller-Metsch zu entnehmen ist,1 fand am 19. Mai 1765 in Laxenburg eine Vorstellung statt, bei der die Komödie La Manie des arts (1763) von Marc-Antoine-Jacques Rochon de Chabannes und erstmalig ein von Gasparo Angiolini choreographiertes Ifigenien-Ballett gezeigt wurden. Der Fürst kommentierte es als "noch besser [...], als jener der Semiramis". Anzunehmen ist, dass es sich um das Ballett Ifigenia in Aulide handelte, das Angiolini in seiner ersten Lettere di Gasparo Angiolini a Monsieur Noverre sopra i balli pantomimi erwähnt.2 Darin spricht er davon, dass der glückliche Ausgang des Balletts eine Konzession an das Publikum gewesen sei ("in seguito diedi il ballo d’Ifigenia in Aulide, che terminai con lieto fine per comprovare al pubblico il mio rispetto"). Die Musik zum Ballett konnte dank einer Bemerkung in einem Brief von Erzherzog Leopold an Graf Franz Thurn-Valsassina eindeutig den Werken Glucks zugeordnet werden ("un ballet tragique représentant Iphigénie qui me plût beaucoup, la musique en étant trés belle, de la composition de Gluck").3 Informationen zu Aufführungen oder Quellen sind keine überliefert. Ein weiteres Ifigenien-Ballett schuf Jean Georges Noverre für das Londoner King's Theatre im Jahr 1793 mit Iphigenia in Aulide or the sacrifice of Iphigenia.4

3Brief von Erzherzog Leopold an Graf Franz Thurn-Valsassina vom 20. Mai 1765, abgedruckt bei Adam Wandruszka, Ein "sehr wichtiger Brief" aus der Jugend Kaiser Leopolds II., in: Historische Forschungen und Probleme. Peter Rassow zum 70. Geburtstage, hrsg. von Karl Erich Born, Wiesbaden 1961, S. 174-180: 178ff.
4Vgl. Sibylle Dahms, Der konservative Revolutionär. Jean Georges Noverre und die Ballettreform des 18. Jahrhunderts, München 2010, S. 398.

Zeitgenössische Berichte:

1Johann Josef Khevenhüller-Metsch, Tagebucheintrag vom 19. Mai 1765 (Aus der Zeit Maria Theresias. Tagebuch des Fürsten Johann Josef Khevenhüller-Metsch Kaiserlichen Obersthofmeisters 1742–1776, hrsg. von Rudolf Graf Khevenhüller-Metsch und Hanns Schlitter, Bd. 6: 1764–1767, Wien–Leipzig–Berlin 1917, S. 61, 97).

2Lettere di Gasparo Angiolini a Monsieur Noverre sopra i Balli Pantomimi, Giovanni Battista Bianchi, Mailand 1773, Lettera I, S. 3–40.

Uraufführungsort:

Werkteile

Übernahmen

keine

Quellen

keine

Literatur

Brown, Bruce Alan: Gluck als Hauskomponist für das französische Theater in Wien, in: Gluck in Wien. Kongreßbericht Wien 1987 (= Gluck-Studien 1), hrsg. von Gerhard Croll und Monika Woitas, Kassel usw. 1989, S. 89–99. ISBN/ISSN: 3761809298, 9783761809297

Brown, Bruce Alan: Gluck and the French Theatre in Vienna, Oxford 1991. ISBN/ISSN: 0193164159

Brown, Bruce Alan und Rushton, Julian: Gluck, Christoph Willibald, in: The New Grove Dictionary of Music and Musicians, Second Edition, Vol. 10 Glinka to Harp, hrsg. von Stanley Sadie und John Tyrrell, Oxford 2001, S. 24–58.

Croll, Gerhard: Ein unbekanntes tragisches Ballett von Gluck, in: Festschrift zum 70. Geburtstag von Herbert Klein (= Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde 109, 1969), Salzburg 1970, S. 275–277; auch in: Christoph Willibald Gluck und die Opernreform (= Wege der Forschung 613), hrsg. von Klaus Hortschansky, Darmstadt 1989, S. 232–235. ISBN: 353408666X, 9783534086665; auch in: Gerhard Croll. Gluck-Schriften. Ausgewählte Aufsätze und Vorträge 1967–2002 (= Gluck-Studien 4), hrsg. von Irene Brandenburg und Elisabeth Richter, Kassel usw. 2003, S. 85–87. ISBN/ISSN: 3761816065, 9783761816066

Dahms, Sibylle: Angiolini, Gasparo, in: MGG2, hrsg. von Ludwig Finscher, Personenteil, Bd. 1, Kassel usw. 1999, Sp. 719–724.

Haas, Robert: Gluck und Durazzo im Burgtheater (Die Opéra comique in Wien), Zürich–Wien–Leipzig 1925.

Wandruszka, Adam: Ein "sehr wichtiger Brief" aus der Jugend Kaiser Leopolds II., in: Historische Forschungen und Probleme. Peter Rassow zum 70. Geburtstage, hrsg. von Karl Erich Born, Wiesbaden 1961, S. 174–180.

Erstellt von: Vera Grund
Zitierhinweis: Christoph Willibald Gluck. Sämtliche Werke, GluckWV-online, URI: http://www.gluck-gesamtausgabe.de/id/2-74-00-0 (20.11.2019)

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