L'Amour malin (Ballet d'amour)

GluckWV 2.54

Allgemeines

Wotquenne-Nummer: deest

Werktyp: Ballett

Uraufführungsort: 4. Juni 1761, Schloss Laxenburg

Informationen zur Uraufführung:

Ausführende Tänzer und Tänzerinnen: Gasparo Angiolini – Louise Joffroy-Bodin, Vincenzo (?) Turchi – Marianne Le Clerc, Pierre Bodin – Maria Ester Boccherini, Annibale Barsi – Maria Anna Héloin, Johann Hopp – Adriana Giropoldi oder/und Rosalie Grangé, Antoine Gobert – Susanne Mitt(in), Jacques Héloin – Thérèse (?) Decamp, Antoine Durval – Marie Grangé, L'Amour - Francesca (?) Bernardi Cadette, Ignaz (?) und Johann (?) Seve, Johanna (?) oder Teresa (?) Speck, Peter (?) Reiberger; Choreograph - Gasparo Angiolini

Authentizität: zugeschrieben (Musik verschollen)

Genese

Entstehung:

Am 4. Juni 1761 fand die dritte Aufführung der Saison in Laxenburg statt, bei der Nicola La Granges Komödie Le Contre-Temps (1736) und das Ballett L'Amour malin gezeigt wurden (zur ersten und zweiten Aufführung in Laxenburg vgl. La Fête de Flore und Les Sauvages américains). In Philipp Gumpenhubers Repertoire des Burgtheaters1 vom Jahr 1761 finden sich genaue Angaben über die an der Aufführung beteiligten Tänzerinnen und Tänzer. Demzufolge wirkten in dem Ballett neben den Mitgliedern des Ensembles Kinder und Jugendliche an der Aufführung mit. Gumpenhuber nennt in der Besetzungsliste als Solisten Gasparo Angiolini und Louise Joffroy-Bodin, Vincenzo Turchi und Marianne Le Clerc, Pierre Bodin und Maria Ester Boccherini, aber auch "Bernardi Cadette" in der Rolle als Amor, "deux fils de Seve", "la Fille de Speck" sowie "le Fils de Reiberger". Es dürfte sich dabei um Francesca Bernardi, Tochter des Ballettmeisters des Kärntnertortheaters, Charles Bernardi, sowie um zwei Mitglieder aus der Tänzerdynastie Seve gehandelt haben, vermutlich die 1751 und 1752 geborenen Ignaz und Johann Seve.2 Der Garderobier und Schneidermeister der Wiener Theater, Georg Speck, hatte mindestens zwei Töchter (Johanna und Teresa), die in Frage kommen, während mit "le fils de Reiberger" Peter Reiberger, der Sohn des Theaterkassiers gemeint sein dürfte. Reiberger und seine Ehefrau kamen noch im gleichen Jahr beim Brand des Kärntnertortheaters am 3. November des Jahres ums Leben, als sie versuchten, die Theaterkasse aus den Flammen zu retten.

Die beteiligten Kinder hatten bereits in einem der Ballette zu Alcide al bivio, der 1760 anlässlich der Vermählung des zukünftigen Kaisers Joseph II. mit Isabella von Bourbon-Parma gezeigten Hochzeitsoper von Johann Adolf Hasse, mitgewirkt ("Primo Ballo di Ninfe e Geni seguaci della Dea del Piacere"). Die vermutlich etwas ältere Francesca Bernardi war bereits darin als Amor, die anderen Kinder als Amorini aufgetreten. Während in Alcide al bivio die Primaballerina des Kärntnertortheaters, Camilla Paganini, getanzt hatte, trat in L’Amour malin Louise Joffroy-Bodin, Primaballerina des Burgtheaters, auf. Die anderen Solistinnen und Solisten des Balletts zu Alcide al bivio, Marianne Le Clerc und Maria Ester Boccherini sowie Gasparo Angiolini und Vincenzo Turchi, behielten dagegen ihre Solopartien. Ein Zusammenhang der beiden Ballette liegt somit nahe. In Alcide al bivio war der Handlungsort des Balletts das Reich der Göttin des Vergnügens, Edonide, – dargestellt als elysischer Garten, in dem Genien und Nymphen tanzen –, bei dem es sich jedoch nur um eine Vision, ein trügerisch vorgetäuschtes Idyll, handelte. Der Titel L'Amour malin lässt ebenfalls vermuten, dass es sich um ein ähnliches Motiv, eine moralische Warnung vor den Gefahren der Liebe, handeln könnte.

Aufgrund von Gumpenhubers Aufzeichnungen kann Gasparo Angiolini, der bereits die Tänze für Alcide al bivio gestaltet hatte, eindeutig als Choreograph des Balletts identifiziert werden. Für die Musik wird Gluck als Verantwortlicher angenommen, da er in der Saison 1761/62 als Komponist der Ballette des Burgtheaters angestellt war. Unter der Signatur CZ-K, 96 A befindet sich im Schlossarchiv von Český Krumlov eine Ballettmusik "Del Piacere", die aufgrund des Titels dem Ballett der "Ninfe e Geni seguaci della Dea del Piacere" zugeordnet werden könnte. In einer Partiturabschrift der Oper (I-Mc, Part. Tr. Ms. 154, reprint New York: Garland 1983) ist jedoch andere Musik für die Ballette enthalten. Aufgrund der Signatur und der Verbindung zur Arie "Se pena fosse" aus Armida von Tommaso Traetta wird eher ein Zusammenhang zu La parodie d'Armida angenommen. In den verschollenen Beständen des Musikarchivs der Hofmusikkapelle von Esterházy in Eisenstadt ist ein Ballet d'amour verzeichnet, bei dem es sich um L'Amour malin handeln könnte.

Aufgrund der seltenen Verwendung von Kindern für das Ballett könnte außerdem eine Verbindung mit einer Abbildung aus der sogenannten Durazzo-Sammlung vermutet werden. Dabei handelt es sich um eine Kollektion von Szenenbildern der Wiener Ballette, die der Theaterdirektor Giacomo Durazzo zur Dokumentation seiner Intendanz anlegen ließ. Eines der Bilder zeigt eine Gruppe von Tänzerinnen und Tänzern, unter denen sich auch Kinder befinden. Alle Beteiligten halten Girlanden in Händen und tragen die üblichen Tänzer-Kostüme, bestehend aus großen Kleidern mit Korsett und Reifrock der Damen sowie dem typischen Tonnelet und aufwendigem Kopfschmuck der Herren. Die höchst seltene Beteiligung von Kindern in den Repertoire-Balletten spricht für die Zuordnung, die jedoch nicht näher verifiziert werden kann und aufgrund der Figurenkonstellation und der als Requisiten verwendeten Girlanden auch auf das Ballett La parodie d'Armida zutreffen könnte.

2Vgl. Riki Raab, Biographischer Index des Wiener Opernballetts von 1631 bis zur Gegenwart, Wien 1994, S. 444.

Werkgeschichte:

Das Ballett wurde am 7. Juni ein zweites Mal in Laxenburg aufgeführt, bevor es bei der jährlichen höfischen Galaveranstaltung am 26. Juli in Schönbrunn gezeigt wurde. Die erste Vorstellung am Burgtheater zusammen mit Molières L'École des femmes (1662) und dem Ballett Les Jardiniers fand am 20. August statt. Bis Anfang Oktober wurde es mehrfach wiederholt (20., 22., 23., 27., 29. August, 1., 3., 6., 10., 29. September, 3. und 5. Oktober).

Zeitgenössische Berichte:

1Philipp Gumpenhuber, Répertoire de tous les Spectacles qui ont été donnés au Théâtre près de la Cour, Einträge vom 4., 7. Juni, 27. Juli, 20., 22., 23., 27., 29. August, 1., 3., 6., 10., 29. September, 3. und 5. Oktober 1761 (A-Wn, Mus. Hs. 34580a).

Graf Karl von Zinzendorf, Journal du Comte de Zinzendorf et Pottendorf, Eintrag vom 26. Juli 1761 (A-Whh, AT-OeStA/HHStA KA Nachlass Zinzendorf Tagebücher 6).

Uraufführungsort:

Werkteile

Übernahmen

keine

Quellen

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Ikonographische Quelle

Das ganze Werk

Signatur: A-Smoroda, DdM f M 008_06

Beschreibung:

Szenenbild zum Ballett L’Amour malin (?) aus der Sammlung Durazzo, um 1761, unbekannter Künstler, vmtl. Pinselzeichnung, Original verschollen, Kopie in Derra de Moroda Dance Archives, Salzburg 

Literatur

Brown, Bruce Alan: Gluck als Hauskomponist für das französische Theater in Wien, in: Gluck in Wien. Kongreßbericht Wien 1987 (= Gluck-Studien 1), hrsg. von Gerhard Croll und Monika Woitas, Kassel usw. 1989, S. 89–99. ISBN/ISSN: 3761809298, 9783761809297

Brown, Bruce Alan: Gluck and the French Theatre in Vienna, Oxford 1991. ISBN/ISSN: 0193164159

Brown, Bruce Alan und Rushton, Julian: Gluck, Christoph Willibald, in: The New Grove Dictionary of Music and Musicians, Second Edition, Vol. 10 Glinka to Harp, hrsg. von Stanley Sadie und John Tyrrell, Oxford 2001, S. 24–58.

Dahms, Sibylle: Das Repertoire des Ballet en action. Noverre - Angiolini - Lauchery, in: De editione musices, Festschrift Gerhard Croll zum 65. Geburtstag, hrsg. von Wolfgang Gratzer und Andrea Lindmayr Normal, Laaber 1992, S. 125–142.

Dahms, Sibylle: Angiolini, Gasparo, in: MGG2, hrsg. von Ludwig Finscher, Personenteil, Bd. 1, Kassel usw. 1999, Sp. 719–724.

Hárich, János: Inventare der Esterházy-Hofmusikkapelle in Eisenstadt, in: Das Haydn-Jahrbuch 9, Wien 1975, S. 5–11 und 67–125.

Erstellt von: Vera Grund
Zitierhinweis: Christoph Willibald Gluck. Sämtliche Werke, GluckWV-online, URI: http://www.gluck-gesamtausgabe.de/id/2-54-00-0 (23.11.2019)

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