Le Marché aux poissons

GluckWV 2.18

Allgemeines

Wotquenne-Nummer: deest

Werktyp: Ballett

Werkbezeichnung: Grand ballet

Uraufführungsort: 3. Oktober 1759, Wien, Kärntnertortheater

Authentizität: zugeschrieben (Musik verschollen)

Personen

Genese

Entstehung:

Philipp Gumpenhuber verzeichnet am 3. Oktober 1759 in seinem Repertoire des Kärntnertortheaters1 "le Faux Soupçon [vermutlich eine Wiederaufnahme von Friedrich Wilhelm Weiskerns Burleske mit Musik Der falsche Verdacht von 1753] avec deux grands Ballets", bei denen es sich um Les Perruquiers (vgl. den zugehörigen Eintrag) und Le Marché aux poissons handelt. Das Ballett präsentiert einen holländischen Fischmarkt, der als Handlungsort für verschiedene Tänze dient, die nur lose durch Handlungselemente verbunden sind. Gumpenhuber lobt die Dekoration des Balletts, die naturgetreue Wiedergabe von Tänzen "à la mode de Païs" sowie das Finale, das er als neu und durchdacht einschätzt ("L'invention de ce final est toute neuve, fort vive, et bien pensée"). Während die Choreographie des Balletts dank der Aufzeichnungen Gumpenhubers eindeutig Charles Bernardi zugeordnet werden kann, wurde die Musik Gluck aufgrund seiner Anstellung als "Compositore von der Music zu denen Balletten" an beiden Wiener Theatern in der Saison 1759/60 zugeschrieben. Ursprünglich wurde der Aufführung die Musikhandschrift CZ-K, No 77 zugeordnet.2 Da jedoch die Abschrift den stark abweichenden Titel Le Marchand des chansons trägt und außerdem in Satz 10 ein Solo Gasparo Angiolinis verzeichnet ist (der zu diesem Zeitpunkt bereits im Burgtheater als Choreograph angestellt war und daher vermutlich nicht im Kärntnertortheater in einer fremden Choreographie als Solist auftrat), wird davon ausgegangen, dass die Quelle zu einer anderen, bisher nicht identifizierten Aufführung gehört.
Das Szenenbild des Balletts in der sogenannten Durazzo-Sammlung, einer Kollektion von Abbildungen aus Wiener Balletten, die der Theaterdirektor Giacomo Durazzo zur Dokumentation seiner Intendanz anlegen ließ, stellt detailliert die Szenerie und die Protagonisten dar: In typisch niederländischem Ambiente – mit einer Windmühle, Booten und einer Zugbrücke – werden auf einem Markt Waren wie Pfeifen, Tabak oder Vögel verkauft. Vor dieser Kulisse wurden vermutlich Divertissement-Tänze aufgeführt und kleine heitere Zwischenfälle pantomimisch dargestellt, wie auch dem Szenar von Gumpenhuber zu entnehmen ist. ("De jeunes gens dansent avec les filles à la mode du Païs, la quelle est fort divertissante. Les accidents qui arrivent ordinairement en tels endroits causent plusieurs changements divertissants qui seront exprimés dans la danse.")
Laut Gumpenhuber waren in der Saison 1759/60 am Kärntnertortheater folgende Tänzerinnen und Tänzer engagiert:
[[Gennaro] Magri (detto Genariello) - [Camilla] Paganini (ainée)
[Giovanni] Guidetti - [Bettina] Buggiani
[Onorato] Viganò - [Josepha bzw. Giuseppa] Fusi
[Vincenzo] Turchi (ainé) - [Barbara] Scotti
[Giovanni Antonio Gastone] Boccherini - [Elena] Paganini (cadette)
[Joseph] Hornung - [Adriana] Giropoldi
[Cortolo] Constantini - [Giulia] Gavazzi
Michel [= Michael Pösinger] - [Eleonore] Leinhauss [Leinhaas]
[Ignaz] Seve
[Johann] Hopp

2Bruce Alan Brown, Gluck and the French Theatre in Vienna, Oxford 1991, S. 466.

Werkgeschichte:

Obwohl Gumpenhuber in seinen kalendarischen Aufzeichnungen für das Kärntnertortheater im Jahr 1759 keine genauen Angaben über die Wiederholungen der Ballette macht, ist von weiteren Aufführungen auszugehen, genaue Daten sind jedoch nicht zu ermitteln.

Zeitgenössische Berichte:

1Philipp Gumpenhuber, Repertoire de Tous les Spectacles, qui ont été donné au Théatre de la Ville, recueilli par Monsieur Philippe Gumpenhuber, Eintrag vom 3. Oktober 1759 und S. 71f (US-CAt, MS Thr. 248.1).

Uraufführungsort:

Werkteile

Übernahmen

keine

Quellen

keine

Literatur

Aelbrouck, Jean-Philippe van: Bernardy, Charles-Alexandre Bernard, in: Dictionnaire des danseurs: chorégraphes et maîtres de danse à Bruxelles de 1600 à 1830, Liège 1994, S. 71–74.

Brown, Bruce Alan: Gluck als Hauskomponist für das französische Theater in Wien, in: Gluck in Wien. Kongreßbericht Wien 1987 (= Gluck-Studien 1), hrsg. von Gerhard Croll und Monika Woitas, Kassel usw. 1989, S. 89–99. ISBN/ISSN: 3761809298, 9783761809297

Brown, Bruce Alan: Gluck and the French Theatre in Vienna, Oxford 1991. ISBN/ISSN: 0193164159

Brown, Bruce Alan und Rushton, Julian: Gluck, Christoph Willibald, in: The New Grove Dictionary of Music and Musicians, Second Edition, Vol. 10 Glinka to Harp, hrsg. von Stanley Sadie und John Tyrrell, Oxford 2001, S. 24–58.

Brown, Bruce Alan: Magri in Vienna: The Apprenticeship of a Choreographer, in: The Grotesque Dancer on the Eighteenth-Century Stage. Gennaro Magri and his World, hrsg. von Rebecca Harris-Warrick und Bruce Alan Brown, Madison 2005, S. 62–90. ISBN/ISSN: 9780299203542

Erstellt von: Vera Grund
Zitierhinweis: Christoph Willibald Gluck. Sämtliche Werke, GluckWV-online, URI: http://www.gluck-gesamtausgabe.de/id/2-18-00-0 (14.12.2018)

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