Le Prix de la danse

GluckWV 2.24

Allgemeines

GGA-Band: II/4

Wotquenne-Nummer: deest

Werktyp: Ballett

Werkbezeichnung: Ballo

Uraufführungsort: 26. oder 27. Dezember 1759, Wien, Kärntnertortheater

Besetzung: Fl., Ob.I/II, (Fg.); Cor.I/II; Archi; Cembalo

Authentizität: zugeschrieben

Personen

Genese

Entstehung:

Die Hinweise in Gumpenhubers Repertoire des Wiener Kärntnertortheaters1 zum genauen Datum der ersten Aufführung des Balletts Le Prix de la danse sind widersprüchlich: Im statistischen Teil seines Verzeichnisses nennt Gumpenhuber den 26. Dezember 1759 als Datum der ersten Aufführung des Balletts, weist im chronologischen Teil jedoch daraufhin, dass das Theater vom 14. bis 26. Dezember geschlossen war. Erst am 27. Dezember verzeichnet er dort wieder eine Aufführung, "L'Épouse servante de l'Épouse avec Deux grands Ballets", bei denen es sich um Le Prix de la danse und Les Corsaires (vgl. den zugehörigen Eintrag) gehandelt haben dürfte.
Als Choreograph lässt sich dank der Aufzeichnungen Gumpenhubers eindeutig Charles Bernardi feststellen, wohingegen die Zuschreibung der Ballettmusik an Gluck aufgrund seiner Anstellung als "Compositore von der Music zu denen Balletten" erfolgte. Laut Gumpenhuber waren in der Saison 1759/60 am Kärntnertortheater folgende Tänzerinnen und Tänzer engagiert:
[Gennaro] Magri (detto Genariello) - [Camilla] Paganini (ainée)
[Giovanni] Guidetti - [Bettina] Buggiani
[Onorato] Viganò - [Josepha bzw. Giuseppa] Fusi
[Vincenzo] Turchi (ainé) - [Barbara] Scotti
[Giovanni Antonio Gastone] Boccherini - [Elena] Paganini (cadette)
[Joseph] Hornung - [Adriana] Giropoldi [Cortolo]
Constantini - [Giulia] Gavazzi
Michel [= Michael Pösinger] - [Eleonora] Leinhauss [Leinhaas]
[Ignaz] Seve
[Johann] Hopp

Wie Gumpenhubers Beschreibung zu entnehmen ist, spielt das Ballett in der flämischen Provinz und stellt einen Tanzwettbewerb dar, bei dem Preise in verschiedenen Kategorien vergeben werden. Die Einheitlichkeit des flämischen Ambientes wird durch die verschiedenen Accessoires für den Tanz durchbrochen. Zwar kann der Holzschuhtanz noch in der Region verortet werden, wohingegen Kastagnetten und das Tambourin, die auch musikalisch für eine spezielle Klangfarbe sorgten, eher auf Tänze mit südeuropäischem Kolorit schließen lassen. Wie die Abbildung zum Ballett aus der sogenannten Durazzo-Sammlung, einer Kollektion von Szenenbildern, die der Direktor der Theater, Giacomo Durazzo, zur Dokumentation seiner Intendanz anlegen ließ, zeigt, wurden die Tänzer verschiedenen Häusern zugeteilt. Nach der Beschreibung Gumpenhubers handelte es sich um ein Ballett, das die Präsentation von virtuosem Tanz – insbesondere der Pas des deux – in den Mittelpunkt stellte ("tous les pas de Deux sont les plus fortes").
Die Sinfonia des Balletts liegt in einer Abschrift in singulärer Überlieferung in der Landesbibliothek Mecklenburg-Vorpommern als Sinfonie-Komposition Ignaz Jakob Holzbauers vor (D-SWl, Mus. 2905, RISM 240002653; übernommen ohne die ersten Einleitungstakte). Da Holzbauer im Jahr der ersten Aufführung des Balletts jedoch bereits am kurzpfälzischen Hof in Mannheim angestellt war, wo er zeitnah am 5. November 1759 seine Oper Ippolito ed Aricia aufführte und zuvor die Proben leitete, ist nicht anzunehmen, dass er persönlich an der Entstehung des Balletts mitwirkte. Jedoch war er 1758 bei einer Studienreise nach Rom auf dem Rückweg in Wien Gluck begegnet und könnte ihm bei dieser Gelegenheit die Sinfonie präsentiert haben. Ein weiteres Indiz für eine enge Verbindung mit Gluck könnte die Aufführung der Opéra-comique Cythère assiégée im darauffolgenden Jahr in Schwetzingen sein, die möglicherweise auf die Initiative Holzbauers zurückging. Eine weitere Konkordanz, die von Holzbauers Anwesenheit in Wien im Jahr 1758 zeugt, ist die Übernahme seiner Sinfonie D-Dur in Franz Hilverdings Ballett Diane et l'Amour, das am 22. August 1758 im Burgtheater gegeben wurde und für dessen Musik wahrscheinlich Joseph Starzer verantwortlich war. Vorlagen für das Ballett sind keine bekannt, jedoch waren Tanzwettbewerbe als Sujet beliebt. So berichtete beispielsweise Joseph Jérôme Le Français de Lalande in Voyage d'un François en Italie, fait dans les années 1765 & 1766 (Paris 1769, 2. Band, S. 199) von einem Wettkampf im Umland von Florenz, bei dem die Landbevölkerung mit ihren Tänzen vor dem Großherzog auftraten, der einen Sieger oder eine Siegerin bestimmte und auszeichnete.

Werkgeschichte:

Obwohl keine Repertoire-Aufzeichnungen der Wiener Theater für das Jahr 1760 vorhanden sind, kann von Nachfolgeaufführungen ausgegangen werden, für die sich jedoch keine genauen Daten ermitteln lassen.

Zeitgenössische Berichte:

1Philipp Gumpenhuber, Repertoire de Tous les Spectacles, qui ont été donné au Théatre de la Ville, recueilli par Monsieur Philippe Gumpenhuber (US-CAt, MS Thr. 248.1).

Uraufführungsort:

Werkteile

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Sinfonia

Allegro; V.I/II, Vc., B.; Ob.I/II, (Fg.); Cor.I/II; Cembalo

incipit G xFC 2/4 4''A{6AGFE}/{8DC}{D'A}/{6B''C8D}{6'AB''CD}/q8'A4GF/

No. 1 Allegro

Allegro; V.I/II, Va., Vc., B.; (Fg.); Cor.I/II; Cembalo

incipit G xFC 6/8 ({6'AB''C};3)/{8.D6A8F}4D({6'AB''C};3)/{8.D6'A8F}4D({6AB''C};3)/{8D6FEFG}{8.A6F8A}/4.G4F

No. 2 Allegro

Allegro; V.I/II, Va., Vc., B.; Cembalo

incipit G xFC 6/8 8'F/4B8B4xA8F/{BBB}4xA8F/{BB''C}{DDE}/{FED}4C

No. 3 Allegro

Allegro; V.I/II, Va., Vc, B.; Cembalo

incipit G xFC 6/8 8'D/{DCD}{DCD}/{DCD}{DCD}/{EDE}{FEF}/{GFG}{AFD}/

No. 4 Allegro

Allegro; V.I/II, Va., Vc., B.; Fl., (Fg.); Cembalo

incipit G xFC 6/8 8''D/{'D''D'D}{C''E'A}/{''AFD}{EC'A}/{D''D'D}{C''E'A}/{''AFD}4E

No. 5 Allegro

Allegro; V.I/II, Va., Vc., B.; Cembalo

incipit G xFC 6/8 8''D/4F8A4G8B/{'''DC''B}4A8D/4F8A4C8E/{D6'AGFE}4D

No. 6 Andante

Andante; V.I/II, Vc., B.; (Fg.); Cor.I/II; Cembalo

incipit G xFC 2/4 {6.,A3A}/{8.'D3FG}{8.A3B''C}/{8.D3C'B}{8A6BF}/{GBEG}{FADF}/qD{8.C,6B}8A

No. 7 Allegro

Allegro; V.I/II, Vc., B.; Ob.I/II, (Fg.); Cembalo

incipit G xFC 2/4 4''DD/D8-D/4EE/FD/DD/D8-D/4EE/F-/

No. 8 Allegro

Allegro; V.I/II, Vc., B.; Cembalo

incipit G xFC 6/8 8'A/4''D8D{DCD}/{EFG}4F8A+/{AFA}{GFE}/4.D4'A

No. 9 Andantino

Andantino; V.I/II, Vc., B.; Ob.I/II, (Fg.); Cor.I/II; Cembalo

incipit G xF 6/8 8''D/{'BG''D}{'BG''D}/4'B8B4B8D/{EFG}{AB''C}/qC4'B8G4G

No. 10 Allegro

Allegro; V.I/II, Vc., B.; Fl., (Fg.); Cor.I/II; Cembalo

incipit G xF 2/4 {8'GBB''D}/qD4.C8'B/{A''C}{'EF}/{6GFGA}{8GD}/

No. 11 Allegro moderato

Allegro moderato; V.I/II, Vc., B.; Cembalo

incipit G xFC 2/4 8,A/{'D6FD}{GEDC}/{8D6FD}{GEDC}/{8D6FC}{8D6FC}/{8DA}A

No. 12 Andante

Andante; V.I/II, Vc., B.; Fl., (Fg.); Cor.I/II; Cembalo

incipit G xFCG 2/4 8'E/{A''C}{'B''D}/{6ECFD}4'B/{6''ECFD}{8'BA}/q6A{8GF}E

No. 13 Andante

Andante; V.I/II, Va., Vc., B.; Ob.I/II, (Fg.); Cembalo

incipit G xFC 2/4 8'A/{FAEA}/{DACA}/{FB}{6xGFGE}/{8AE,A}

No. 14 Andante

Andante; V.I/II, Va., Vc., B.; Fl., (Fg.); Cembalo

incipit G xFC 2/4 {6'DFFA}qA{8GE}/{6FAA''D}qD{8C'A}/{''C6.D3'A}{8''C6.D3'A}/{6BGEC}4D/

No. 15 Allegro

Allegro; V.I/II, Va., Vc., B.; Cembalo

incipit G xFCG 2/4 8''A/{6EC'A''C}{EDC'B}/{A''CEA}{8GA}/{6EC'A''C}{EDC'B}/{A''CEC}8'B

No. 16 (Major)

Allegro; V.I/II, Vc., B.; Fl., Ob.I/II, (Fg.); Cor.I/II; Cembalo

incipit G xFC 3/4 4'A''DD/DGG/DFF/2C4'A/

No. 17 Minor

V.I/II, Va., Vc., B.; Cembalo

incipit G bB 3/4 4'A''DF/-E'A/FB''D/-C'F/

No. 18 Allegro

Allegro; V.I/II, Va., Vc., B.; Cembalo

incipit G xF 2/4 ({6''GFE})/{8D(6EDC)}{8'B6''D'B}/{GBA''C}{8'B6.B3''D}/{8DC}{'B6.''G3D}/{8DC}'B

No. 19 Sbalzante

Sbalzante; V.I/II, Vc., B.; Ob.I/II, (Fg.); Cor.I/II; Cembalo

incipit G 2/4 8'G/{6.''C3E6.G3E}{8.D3C'B}/{6.''C3E6.G3'''C}{8.''A3GF}/({6GEC};3){6CC}({6FD'B};3){6BB}/{6.''C3E}{6.'G3''C}{6.'E3G}{6.E3C}/

No. 20 Allegro

Allegro; V.I/II, Va., Vc., B.; Cembalo

incipit G xF 2/4 4'G+{6GAGF}/{GAB''C}{DEFG}/8A-C-/'B-A-/

No. 21 Allegro con spirito

Allegro con spirito; V.I/II, Vc., B.; Cembalo

incipit G 2/4 4''CC/DD/EE/F{8FA}/{GFED}/{6EFGF}{8GE}/

No. 22 Allegro

Allegro; V.I/II, Va., Vc., B.; Ob.I/II, (Fg.); Cor.I/II; Cembalo

incipit G xF 2/4 8''G/{DD]}({CDC};3)/8{'BB}{A''D}/{GG}{AA}/({B'''C''B};3)8A

No. 23 Allegro

Allegro; V.I/II, Vc., B.; Fl., Ob.I/II, (Fg.); Cor.I/II; Cembalo

incipit G xF 2/4 {6'BAB''C}{8DD}/{DG}4D/{8.B6A}{8.G6F}/4ED/

Übernahmen

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Sinfonia

Allegro; V.I/II, Vc., B.; Ob.I/II, (Fg.); Cor.I/II; Cembalo

incipit G xFC 2/4 4''A{6AGFE}/{8DC}{D'A}/{6B''C8D}{6'AB''CD}/q8'A4GF/

Entlehnungen aus fremden Werken:

1. Satz der Sinfonie in D-Dur von Ignaz Holzbauer

Quellen

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Musik

Handschriften

Abschrift

Das ganze Werk

Signatur: CZ-K, No 82 K II

Fundort: CZ-K

Datierung: 1759–1760

Qualität: Originalgestalt

Überlieferungsform: Stimmen

Beschreibung:

9 Stimmen, Hochformat: ca. 31 x 22 cm, 56 Bl., zusammengebunden mit den Stimmen zum Ballett Les Corsaires (insgesamt 125 Bl. + Umschlag), Provenienz: Schwarzenbergische Musikaliensammlung der Schlossbibliothek in Krumau (Český Krumlov)

Quellennachweise:

RISM Online ID no. 1001052837

Personen:

Einzelne Teile

Sinfonia, Signatur: D-SWl, Mus. 2905

Fundort: D-SWl

Datierung: 1750–1775

Qualität: Originalgestalt

Überlieferungsform: Stimmen

Beschreibung:

6 Stimmen einer Sinfonia in D-Dur, Hochformat: 35 x 22 cm, Provenienz: Musikaliensammlung des Grossherzoglich Mecklenburg-Schweriner Fürstenhauses; der erste Satz Allegro entspricht der Sinfonia zum Ballett Le Prix de la danse

Quellennachweise:

RISM Online ID no.: 240002653

Personen:

Ikonographische Quelle

Das ganze Werk

Signatur: A-Smoroda, DdM f M 008_23

Fundorte:

  • A-Smoroda

Qualität: Keine

Beschreibung:

Szenenbild zum Ballett Le Prix de la danse aus der Sammlung Durazzo, um 1759, unbekannter Künstler, Pinselzeichnung, Original verschollen, Kopie in Derra de Moroda Dance Archives, Salzburg

Literatur

Brown, Bruce Alan: Gluck als Hauskomponist für das französische Theater in Wien, in: Gluck in Wien. Kongreßbericht Wien 1987 (= Gluck-Studien 1), hrsg. von Gerhard Croll und Monika Woitas, Kassel usw. 1989, S. 89–99. ISBN/ISSN: 3761809298, 9783761809297

Brown, Bruce Alan: Gluck and the French Theatre in Vienna, Oxford 1991. ISBN/ISSN: 0193164159

Brown, Bruce Alan: Wiener Ballette im Schwarzenbergischen Archiv zu Cesky Krumlov. Probleme der Autorschaft und Chronologie, in: Tanzdramen. Opéra-comique. Kolloquiumsbericht der Gluck-Gesamtausgabe (= Gluck-Studien 2), hrsg. von Gabriele Buschmeier und Klaus Hortschansky, Kassel usw. 2000, S. 9–34. ISBN/ISSN: 3761810385, 9783761810385

Brown, Bruce Alan: Magri in Vienna: The Apprenticeship of a Choreographer, in: The Grotesque Dancer on the Eighteenth-Century Stage. Gennaro Magri and his World, hrsg. von Rebecca Harris-Warrick und Bruce Alan Brown, Madison 2005, S. 62–90. ISBN/ISSN: 9780299203542

Pelker, Bärbel: Holzbauer, Ignaz (Jakob), in: MGG2, hrsg. von Ludwig Finscher, Personenteil, Bd. 9, Kassel usw. 2003, Sp. 265–275.

Winter, Marian Hannah: The Pre-romantic Ballet, London 1974. ISBN/ISSN: 9780871270504

Erstellt von: Vera Grund
Zitierhinweis: Christoph Willibald Gluck. Sämtliche Werke, GluckWV-online, URI: http://www.gluck-gesamtausgabe.de/id/2-24-00-0 (14.12.2018)

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