Les Amusements champêtres

GluckWV 2.47

Allgemeines

Wotquenne-Nummer: deest

Werktyp: Ballett

Werkbezeichnung: Grand Ballet

Uraufführungsort: 23. März 1761, Wien, Burgtheater

Informationen zur Uraufführung:

Ausführende: Pax de deux - Gasparo Angiolini und Louise Joffroi-Bodin, Vincenzo Turchi und Louise Joffroi-Bodin, Concert - Annibale Barsi, Antoine Gobert, Antoine Durval, Johann Hopp, Caroline Grandchamp, Eva Rott, Susanna Mitt, DeCamp, Rosalie Grangé; Choreograph - Gasparo Angiolini

Authentizität: zugeschrieben (Musik verschollen)

Genese

Entstehung:

Wie Philipp Gumpenhubers Repertoireaufzeichnungen des Burgtheaters1 zu entnehmen ist, wurde am 23. März 1761, Ostermontag und zugleich Eröffnungstag der Saison 1761/62, zum ersten Mal Jean Baptiste de La Noues Tragödie Mahomet Seconde (1739) gefolgt von Marivaux' Komödie Le Préjugé vaincu (1746) und den beiden neuen "Grands Ballets" Les Amusements champêtres und La Halte des Kalmouks (vgl. die zugehörigen Einträge) aufgeführt. Am gleichen Tag fand die einzige Vorstellung der Ballette Suite de plusieurs incidents qui arrivent parmi les paysans und La Caravane turque im Kärntnertortheater statt, die offenbar beide die gleichen Sujets der im Burgtheater aufgeführten "Grands Ballets" aufnahmen.

Wie Gumpenhubers szenischer Beschreibung der Suite de plusieurs incidents qui arrivent parmi les paysans zu entnehmen ist, zeigte sie unterhaltsame pantomimische – vermutlich solistische – Teile ("la pantomime de ce Ballet est très divertissante") und mehrere Pas de deux im grotesken Stil ("les Pas de deux qui sont tous d’un genre grotesque").

Pastorale Stücke in ländlichem Ambiente waren im Ballett des 18. Jahrhunderts häufig. In Paris hatte Jean-Baptiste Dehesse 1749 seine Version der Amusements champêtres gezeigt, die neben Bauern- und Hirtentänzen als szenisches Element eine Episode um einen Dorflehrer und seine Schulklasse beinhaltete.2 Besonderen Anreiz in Wien ein weiteres Ballett mit ländlichem Sujet zu gestalten, gab vermutlich der Erfolg des Pasticcioballetts Les Aventures champêtres aus dem Vorjahr (vgl. den zugehörigen Eintrag).

Als Solistin von Les Amusemens champêtres trat Louise Joffroy-Bodin auf, die Pas de deux mit Gasparo Angiolini und Vincenzo Turchi tanzte. Wie den Aufzeichnungen Gumpenhubers ferner zu entnehmen ist, wurden als Requisiten neben Girlanden Flöten und Mandoren verwendet, die sicherlich auf die musikalische Gestaltung Einfluss hatten. Dass Gluck dafür zuständig war, kann aufgrund seiner Anstellung als Komponist der Ballettmusik für das Burgtheater in der Saison 1761/62 geschlossen werden, während Gasparo Angiolini als Choreograph dank der Aufzeichnungen Gumpenhubers eindeutig feststeht.

2Vgl. Antoine d'Origny, Annales du théatre italien depuis son origine jusqu'à ce jour, Paris 1788, Bd. 1, Reprint, Genf 1970, S. 228.

Werkgeschichte:

Das Ballett erlebte insgesamt 28 Wiederholungen im Jahr 1761, bei denen zahlreiche Änderungen vorgenommen wurden: Bereits bei der vierten Vorstellung wurde aufgrund des Ausfalls der erkrankten Louise Joffroy-Bodin ein Pas de deux von Louis Frossard mit Maria Ester Boccherini eingelegt. Bei der Vorstellung am 29. März 1761 wurde das Ballett als Finale an die Opéra-comique L'Ivrogne corrigé angehängt und dafür Teile ausgelassen. Im April wurden dem Ballett drei neue Pas de deux hinzugefügt, die Vincenzo Turchi und Lucia Fabris, der Tänzer Guerin [Vorname unbekannt] und Maria Ester Boccherini sowie Jean Dupré mit Marianne Le Clerc tanzten. Noch im gleichen Monat wurde anstelle des Pas de deux des Solistenpaares Joffroy-Bodin / Angiolini ein Solo einer unbekannten Tänzerin namens "L'Eder" eingefügt. Im Mai wurde das Ballett mit den Pas de deux von Joffroy-Bodin und Angiolini, aber auch dem von Frossard und Boccherini gezeigt. Unter anderen wurde Les Amusements champêtres zusammen mit Glucks Opéra-comique L'Arbre enchanté gegeben. Ein neuer Pas de deux von Vincenzo Turchi und Theresa Wismar wurde für eine Aufführung als Schlussballett der Opéra-comique Ninette à la cour integriert, der auch bei den letzten Vorstellungen im Juni erhalten blieb. Das Ballett wurde also je nach Personalsituation flexibel angepasst; daher ist anzunehmen, dass das Ballett keine durchgehende Handlung hatte, sondern als typisches Divertissement verschiedene Tänze präsentierte.

Zeitgenössische Berichte:

1Philipp Gumpenhuber, Répertoire de tous les Spectacles qui ont été donnés au Théâtre près de la Cour, Einträge vom 23.–26., 28., 29., 31. März, 5., 8., 9., 15., 16., 21.–23., 28.–30. April, 5., 6., 12., 19., 26., 28., 30. Mai, 17., 20., 24., 25. Juni 1761 (A-Wn, Mus. Hs. 34580a).

Graf Karl von Zinzendorf, Journal du Comte de Zinzendorf et Pottendorf, Einträge vom 23. und 28 März 1761 (A-Whh, AT-OeStA/HHStA KA Nachlass Zinzendorf Tagebücher 6).

Uraufführungsort:

Werkteile

Übernahmen

keine

Quellen

keine

Literatur

Brandenburg, Irene: "Danseuse des amateurs voluptueux" Zur Wahrnehmung von Wiener Tänzerinnen im Kontext des 'Ballet en action', in: Historiografie (= Tanz & Archiv. ForschungsReisen 3), München 2010, S. 24–37. ISBN/ISSN: 9783940388186/18684734

Brown, Bruce Alan: Gluck als Hauskomponist für das französische Theater in Wien, in: Gluck in Wien. Kongreßbericht Wien 1987 (= Gluck-Studien 1), hrsg. von Gerhard Croll und Monika Woitas, Kassel usw. 1989, S. 89–99. ISBN/ISSN: 3761809298, 9783761809297

Brown, Bruce Alan: Gluck and the French Theatre in Vienna, Oxford 1991. ISBN/ISSN: 0193164159

Brown, Bruce Alan und Rushton, Julian: Gluck, Christoph Willibald, in: The New Grove Dictionary of Music and Musicians, Second Edition, Vol. 10 Glinka to Harp, hrsg. von Stanley Sadie und John Tyrrell, Oxford 2001, S. 24–58.

Dahms, Sibylle: Das Repertoire des Ballet en action. Noverre - Angiolini - Lauchery, in: De editione musices, Festschrift Gerhard Croll zum 65. Geburtstag, hrsg. von Wolfgang Gratzer und Andrea Lindmayr Normal, Laaber 1992, S. 125–142.

Dahms, Sibylle: Angiolini, Gasparo, in: MGG2, hrsg. von Ludwig Finscher, Personenteil, Bd. 1, Kassel usw. 1999, Sp. 719–724.

Haas, Robert: Die Wiener Ballet-Pantomime im 18. Jahrhundert und Glucks Don Juan, in: Studien zur Musikwissenschaft. Beihefte der Denkmäler der Tonkunst in Österreich 10, Wien 1923, S. 6–36.

Zechmeister, Gustav: Die Wiener Theater nächst der Burg und nächst dem Kärntnerthor von 1747 bis 1776 (= Theatergeschichte Österreichs III/2), Wien 1971.

Erstellt von: Vera Grund
Zitierhinweis: Christoph Willibald Gluck. Sämtliche Werke, GluckWV-online, URI: http://www.gluck-gesamtausgabe.de/id/2-47-00-0 (19.08.2019)

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