L'Île de l'Amerique

GluckWV 2.32

Allgemeines

Wotquenne-Nummer: deest

Werktyp: Ballett

Werkbezeichnung: Ballett

Uraufführungsort: 9. Oktober 1760, Wien, Burgtheater

Authentizität: zugeschrieben (Musik verschollen)

Personen

Genese

Entstehung:

Am 1. November 1760 berichtete die Pariser Gazette,1 dass anlässlich der Hochzeitsfeierlichkeiten von Erzherzog Joseph mit Prinzessin Isabella von Bourbon Parma am 8. Oktober 1760 ein Maskenball und öffentliches Souper der kaiserlichen Familie stattfand und am folgenden Tag eine Theateraufführung stattfand, bei der eine französische Komödie (Les Fausses Confidences von Marivaux) und ein neues Ballett gegeben wurden. Das Ballett thematisierte laut Gazette die Entdeckung Amerikas durch die Spanier ("Le lendemain, la Cour assista à la représentation d’une Comédie Françoise qui fut suirvie d’un Ballet nouveau, dont le sujet étoit la découverte d’une Isle de l'Amérique par les Espagnols"). Da es sich um eine Vorstellung für den Hof handelte, ist anzunehmen, dass sie im Burgtheater stattfand. Wie weiter berichtet wurde, fand das Ballett aufgrund der Vielfalt der Tänze und der Schönheit der Bühnendekoration gute Aufnahme ("Ce Ballet fit beaucoup de plaisir par la vaiété des danses & par la beauté des décorations").

Laut Hofzahlamtsbüchern2 waren im Oktober/November 1760 am Burgtheater folgende Tänzerinnen und Tänzer engagiert:
[Louise] Joffroy[-Bodin] und [Pierre] Bodin
[Marianne] Le Clerc
[Maria Ester] Bocherini
[Gasparo] Angiolini
[Jean] Dupré
[Vincenzo] Turchi
[Francesco] Turchi
[Louis] Frossard
[Pierre] Grangé [Granget]
[Carolina] Grandchamp [geb. Gardiner)
[Adriana] Giropoldi
[Eva] Rot(tin)
Mle La Comme [Vorname unbekannt]
[Jacques] Heloin
[Annibale] Barsi
[Jean Baptiste] Grandchamp
Johann Hopp
[Antoine] Gobert
[Antoine] Durval
Rosalie Grangé [Granget]

Als einschlägige Bühnenfigur in Zusammenhang mit der Neuen Welt hat der Azteken-Herrscher Montezuma zu gelten, der beispielsweise auch Friedrich II. für seine gleichnamige Oper als Vorlage diente. Da Montezuma im Werk des Preußischen Königs zur Kritik am Habsburger Imperialismus in Amerika diente, ist nicht davon auszugehen, dass es auch als Vorlage für ein Ballett, dass anlässlich eines festlichen Anlasses im Hause Habsburg gezeigt wurde, diente. Vielmehr ist zu vermuten, dass es sich um ein Nationenballett handelte, das die Ureinwohner Amerikas pittoresk exotisierend darstellte. Als Vorläufer kann daher beispielsweise das Ballett Les Amériquains von Franz Hilverding und Joseph Starzer aus dem Jahr 1752/53 bzw. 1756/57 angenommen werden. Ein Jahr nach der Aufführung zeigten Gluck und Angiolini außerdem am 6. Mai 1761 das Ballett Les Sauvages amériquains (siehe den zugehörigen Eintrag).

2Hofkammerarchiv, Hofzahlamtsbücher (Theatral-Cassa), Wien, Österreichisches Staatsarchiv, AT-OeStA/FHKA SUS HKZAB.

Zeitgenössische Berichte:

Gazette de Vienne, Nr. 82 vom 11. Oktober 1760.

1Gazzette (de France), Nr. 44 vom 1. November 1760, S. 521 [S. 173].

Uraufführungsort:

Werkteile

Übernahmen

keine

Quellen

keine

Literatur

Sommer-Mathis, Andrea: Tu Felix Austria Nube. Hochzeitsfeste der Habsburger im 18. Jahrhundert (= dramma per musica 4), Wien 1994. ISBN/ISSN: 3900270279, 9783900270278

Erstellt von: Vera Grund
Zitierhinweis: Christoph Willibald Gluck. Sämtliche Werke, GluckWV-online, URI: http://www.gluck-gesamtausgabe.de/id/2-32-00-0 (19.08.2019)

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