Soliman second, ou Les Trois Sultanes

Allgemeines

GGA-Band: IV/4

Wotquenne-Nummer: deest

Werktyp: Musik zum Schauspiel

Werkbezeichnung: Musik zur Comédie

Uraufführungsort: 18. Mai 1765, Schloss Laxenburg

Besetzung: Soliman second, surnommé le Magnifique, empereur des Turcs, Osmin, Kislar-Aga, ou chef des eunuques, Elmire, espagnole, Délia, circassienne (Dessus), Roxelane, françoise (Dessus), eunuques noirs, bostagnis, muets et autres esclaves du serrail; Ob.I/II, (Fg.); Cor.I/II; Archi; (Cembalo); Arpa

Informationen zur Uraufführung:

Ausführende: Délia - vmtl. Lucile Clavereau, Roxelane - vmtl. Marguerite Hédoux

Authentizität: zugeschrieben

Personen

Genese

Entstehung:

Die erste Darbietung der Verskomödie Soliman second, ou Les Trois Sultanes von Charles-Simon Favart vor dem Wiener höfischen Publikum erfolgte am 18. Mai 1765 im Laxenburger Schlosstheater, aufgeführt von der französischen Truppe des Burgtheaters. Möglicherweise wurde Gluck als dortiger "Direttore della Musica" und als versierter Autor französischer Opéras-comiques mit der Komposition der im Schauspiel vorgesehenen Gesangsnummern – vier Solo-Airs und ein Duett – beauftragt. Diese Beschäftigung mit Schauspielmusik ist nach heutigem Kenntnisstand ein Sonderfall in seinem künstlerischen Schaffen.

Werkgeschichte:

Am 9. April 1761 feierte die Favart'sche Komödie ihre erfolgreiche Premiere an der Pariser Comédie-Italienne. Sie basierte auf einer ebenso humoristischen wie gesellschaftskritischen gleichnamigen Erzählung aus Jean-François Marmontels Contes moraux; die Bühnenmusik lieferte Paul-César Gibert. Das Theaterstück bekam wohlwollende Aufnahme in der Presse und beim Publikum, nicht zuletzt dank der Roxelane-Darstellerin Justine Duronceray, genannt Madame Favart, eine der berühmtesten Schauspielerinnen ihrer Zeit und Ehefrau von Favart. Als beliebte Komödie, die insbesondere für ihr exotisches Kolorit bekannt war, fand Soliman second rasche Verbreitung auf vielen europäischen Bühnen. Durch die Vermittlung des Hoftheaterdirektors Graf Giacomo Durazzo gelangte das entsprechende Textbuch auch nach Wien.1 Üblicherweise ging das Stück zunächst durch die dortige Zensur, wobei nur einige wenigen Änderungen im Hauptext der Komödie vorgenommen wurden; allerdings wurde bei der Erstaufführung in Laxenburg auf das große Schlussdivertissement (La Feste turque) verzichtet. Über die Besetzung dieser Produktion können keine genauen Aussagen gemacht werden, da wie üblich im Textbuch zur Komödie keine Interpreten genannt sind. Jedoch könnte Marguerite Hédoux2 und Lucile Clavareau als Interpretinnen der Sultaninen Roxelane und Délia vermutet werden. Am 22. Mai 1765 fand die zweite und vorerst letze Vorstellung von Soliman second statt: Nach dem plötzlichen Tod des Kaisers Franz I. Stephan am 18. August 1765 wurde wegen Staatstrauer ein Theaterverbot verordnet, das bis Ostern des Folgejahres dauerte; das französische Ensemble wurde aufgelöst. Bei der 1768 neu berufenen französischen Truppe stand Soliman second wieder auf dem Spielplan;3 ob die Komödie mit den Airs von Gluck gespielt wurde, ist nicht bekannt. Am 29. September 1770 fand im Wiener Kärntnertortheater die Premiere der deutschen Fassung Favart'scher Komödie Solimann der Zweyte, oder die drey Sultaninnen statt;4 welche Musik dabei verwendet wurde, ist ebenfalls nicht überliefert. Um 1800 löste das erfolgreiche gleichnamige Singspiel von Franz Xaver Huber (nach Favart) mit Musik von Franz Xaver Süßmayr die Komödie auf den Wiener Bühnen ab.
(Vgl. das Vorwort von Yuliya Shein zu Soliman second, ou Les Trois Sultanes, GGA IV/4, Kassel usw. 2020 [in Vorbereitung].)

Zeitgenössische Berichte:

Aus der Zeit Maria Theresias. Tagebuch des Fürsten Johann Josef Khevenhüller-Metsch Kaiserlichen Obersthofmeisters 1742–1776, hrsg. von Rudolf Graf Khevenhüller-Metsch und Hanns Schlitter, Bd. 6: 1764–1767, Wien–Leipzig–Berlin 1917, S. 96f.

1Briefe Giacomo Durazzos an Charles-Simon Favart vom 13. Juni 1761 und vom 20. März 1762, in: Mémoires et correspondance littéraires, dramatiques et anecdotiques, de C. S. Favart, Bd. 1, Paris 1808, S. 153–154: 153 und S. 247–248: 248.

1Brief Charles-Simon Favarts an Giacomo Durazzo vom 1. September 1761, in: Mémoires et correspondance littéraires, dramatiques et anecdotiques, de C. S. Favart, Bd. 1, S. 173–177: 177.

2Brief Dancourts an Charles-Simon Favart vom 25. April 1762, in: Mémoires et correspondance littéraires, dramatiques et anecdotiques, de C. S. Favart, Bd. 2, S. 264–265.

3, 4Johann Heinrich Friedrich Müller, Genaue Nachrichten von beyden kaiserlich-königlichen Schaubühnen und andern öffentlichen Ergötzlichkeiten in Wien, Wien 1772, S. 60–68: 66 und 72.

Uraufführungsort:

Werkteile

Alle öffnen Alle schließen

No. 1 Air: "Dans la paix et dans la guerre" (Délia)

Andante; V.I/II, Va., Vc., B.; (Fg.); Cor.I/II

incipit G bB c/ 4''C2C{8C'B/2A4G''F/BB4.B{6AG}/{8F'FFF}

incipit G bB c/ 2.''C{8C'B/4AG-''F/2.E4C/2F4'F-/

Dans la paix et dans la guerre

No. 2 Air: "Jeunes amants, imitez le zéphir" (Délia)

Andante; V.I/II, Va., Vc., B.

incipit G xF 3/4 4''D'GF/2G8''CE/4EDC/'B-

Jeunes amants, imitez le zéphir

No. 3 Air: "Dans l'univers tout aime" (Délia)

Moderato; V.I/II, Va., Vc., B.; Ob I/II, (Fg.)

incipit G bBE c/ 2'F4GA/4.B8F4B''C/{8.D6'B8FB.}{8.''D6E8FE}/2DC/

incipit G bBE c/ 2'F4GA/2B4-''C/4.D8'B{''DE}{FE}/2D4C-/

Dans l'univers tout aime, tout désire

No. 4 Air: "Ô vous, que Mars rend invicible" (Roxelane)

Andante; V.I/II, Va., Vc., B.; Arpa

incipit G xF c/ 4-8-''D4.'B8''C/4DD{q6CqD}4EE/{8DC}4'B

Ô vous, que Mars rend invicible

No. 5 Duo: "Animez nos/leurs jeux" (Délia, Roxelane)

Andante; V.I/II, Va., Vc., B.; Ob.I/II, (Fg.)

incipit G xF 3/4 8.'G6A4BA/AB-/8.A6B4''C'B/B''C-/8'B''C4D8'B''G/4GF8ED/4DC

Animez nos jeux; écoutez nos vœux. Aux vainquers des vainquers nous offrons

Übernahmen

keine

Quellen

Alle öffnen Alle schließen

Musik

Handschriften

Abschrift

Das ganze Werk

Signatur: CZ-K, K 14 No 24a

Fundort: CZ-K

Datierung: 1765

Qualität: Originalgestalt

Überlieferungsform: Particell

Beschreibung:

Querformat: 22,5 x 31,5 cm, 20 Bl., Wiener Provenienz, Provenienz: Schwarzenbergische Musikaliensammlung der Schlossbibliothek in Krumau (Český Krumlov)

Personen:

Signatur: CZ-K, K 14 No 24b

Fundort: CZ-K

Datierung: 1765

Qualität: Originalgestalt

Überlieferungsform: Stimmen

Beschreibung:

9 Stimmen, Hochformat: ca. 31 x 22,5 cm, 46 Bl. + 2 Bl. Umschlag, Wiener Provenienz, Provenienz: Schwarzenbergische Musikaliensammlung

Personen:

Text

Drucke

Libretto

Das ganze Werk

Signatur: Wien 1765

Fundorte:

  • A-Wn
  • CZ-Pnm
  • D-GOl
  • I-Rb
  • US-NYp

Datierung: 1765

Untertyp: Libretto

Qualität: Originalgestalt

Überlieferungsform: Uraufführungslibretto

Beschreibung:

SOLIMAN / SECOND, / COMÉDIE / EN TROIS ACTES EN VERS, / Par M. FAVART. / [Balken] / Représentée pour la premiére fois par les Comédiens / Italiens ordinaires du Roi, le 9 Avril 1761, & / remise au Théâtre le 19 Décembre de la même / année. / (Balken) / (Vignette) / (Balken) / A VIENNE, / Chez JEAN - THOMAS DE TRATTNERN, / IMPRIMEUR DE LA COUR. / (horizontaler Strich) / MDCCLXV.

S. (1)–101, (S. 102 leer); französisch

Quellennachweise:

Digitalisat (ex A-Wn): http://data.onb.ac.at/ABO/%2BZ158661507

Personen:

Literatur

keine

Erstellt von: Yuliya Shein
Zitierhinweis: Christoph Willibald Gluck. Sämtliche Werke, GluckWV-online, URI: http://www.gluck-gesamtausgabe.de/id/210 (30.10.2020)

Zurück zur Liste