Publikation des Bandes „Ballettmusiken“ (II/4)

Ballettmusiken: Les Corsaires (Wien 1759), Le Prix de la Danse (Wien 1759), Le Berger magicien (Wien 1759), Les Miquelets espagnols (Wien 1759), Le Naufrage (Wien 1759), Les Faunes (Wien 1760), Les Trois Couleurs (Wien 1760) (II/4), herausgegeben von Ingeborg Zechner mit einem Vorwort von Vera Grund, Salzburg, Bärenreiter-Verlag, Kassel usw., 2019.

Bei der nun vorliegenden kritischen Edition handelt es sich um den zweiten erschienenen von drei geplanten Bänden (II/3, 4, 5) mit Ballettmusiken, die zwischen 1759 und 1765 in Wien entstanden. Sie repräsentieren einen kleinen Anteil der in Wien von Gluck verantworteten Ballettmusiken, von denen sich musikalische Quellen erhalten haben, und bilden einen Komplex, in welchem Glucks Tätigkeit als "Compositore von der Music zu denen Balletten" in umfänglicher Weise editorisch Rechnung getragen wird. Der neue Band umfasst Kompositionen der Jahre 1759 und 1760 (bzw. der Spielzeiten 1759/60 sowie 1760/61). Die Ballettmusiken sind singulär als Stimmensätze überliefert, die in zeitlicher Nähe zu den Uraufführungen im Auftrag des Fürsten Joseph Adam von Schwarzenberg (1722–1782) in Wiener Kopistenwerkstätten (von Theresia Ziss und Bonifacius Carl Champée) angefertigt wurden und heute im Staatlichen Regionalarchiv, Český Krumlov aufbewahrt werden. (Eine Ausnahme bildet die Sinfonia zu Le Prix de la Danse, die zusätzlich hierzu als Komposition Ignaz Holzbauers überliefert ist.)

Die Ballettmusiken bestehen aus einer Reihe zahlreicher eher kurzer und vereinzelt längerer Sätze, die auch wiederholt oder zu größeren Einheiten zusammengefügt werden konnten. Bei teils wechselnder Besetzung sind neben Streichern und Cembalo Flöten, Oboen, Fagott und Hörner beteiligt. Ein erhaltenes Szenenbild zum Ballett Le Prix de la Danse lässt zudem auf die Verwendung zusätzlicher (Schlag-)Instrumente schließen.
Sowohl Les Corsaires als auch Le Prix de la Danse wurden im Dezember 1759 am Kärntnertortheater mit Choreographien von Charles Bernardi uraufgeführt, während die Choreographien zu Le Berger magicien, Les Miquelets espagnols und Le Naufrage (uraufgeführt 1759 am Burgtheater) sowie zu Les Faunes und Les Trois Couleurs (uraufgeführt 1760 ebenda) wohl von Gasparo Angioloni stammten.
Nur zu den beiden Balletten Bernardis sind in der Theaterchronik des Wiener Hoftänzers und Ballettmeisters Philipp Gumpenhuber szenische Beschreibungen überliefert. Trotzdem lassen sich anhand sprechender Titel und inhaltlich verwandter Stücke die thematischen Ausrichtungen der jeweiligen Ballette nachvollziehen. Les Corsaires und Le Naufrage behandeln mit ihren Themen wie Sturm, Schiffbruch und Seeräuberei nautische Sujets, während Les Faunes einem pastoralen Genre der antiken Mythologie zuzuordnen ist. Das Ballett Le Prix de la Danse ist in einem flämischen Ambiente unter spanischem Einfluss angesiedelt und thematisiert spezielles Brauchtum. Der Titel Les Miquelets espagnols weist auf ein Divertissement spanischen oder katalanischen Charakters hin. Bei Les Trois Couleurs handelt es sich vermutlich um ein "Farbenballett", also ein Divertissement, bei dem die Farbgebung der Tänzerkostüme zusätzlichen Reiz für die choreographische Raumfiguration bot. Das Ausstattungsballett Le Berger magicien richtete seinen Fokus auf spektakuläre Bühneneffekte und wechselnde Dekorationen.

Neben einem detaillierten Vorwort zu den einzelnen Balletten umfasst die vorliegende Edition beispielhafte Auszüge aus den Quellen. Im Kritischen Bericht werden die Quellenlage, die Editionstechnik und aufführungspraktische Hinweise eingehend kommentiert. In der jetzt erschienenen Neuausgabe liegen Glucks Ballettmusiken erstmals im Druck vor.

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