Publikation des Bandes „Il trionfo di Clelia“ (III/23)

Il trionfo di Clelia (III/23), herausgegeben von Angela Knapp, Bruchsal, Bärenreiter-Verlag, Kassel 2008.

Die nun vorliegende Edition des 1763 in Bologna uraufgeführten Dramma per musica Il trionfo di Clelia ist der erste vollständige Druck des Werkes. Die gleichnamige Textvorlage stammt von Pietro Metastasio.

Gluck hatte den Auftrag zur Komposition einer Festoper anlässlich der Eröffnung des neu erbauten Teatro Communale in Bologna im Jahr 1762 erhalten. Und obwohl es zunächst einige Unstimmigkeiten bezüglich der Wahl des Librettos gab, nahm er die Scrittura an. Im März 1763 reiste er gemeinsam mit Karl Ditters von Dittersdorf und der Primadonna Chiara Marini von Wien nach Bologna, um vor Ort die Stimmen der für die Opernaufführung vorgesehenen Sänger kennen zu lernen und erst dann einen umfangreichen Anteil der Oper zu komponieren. Gluck standen ein hervorragendes Sängerensemble sowie ein groß besetztes Orchester zur Verfügung. Die Uraufführung von Il trionfo di Clelia fand am 14. Mai 1763 unter Leitung des Komponisten statt. Der hohen Relevanz des gesellschaftlichen Ereignisses der Theatereröffnung entsprechend fand auch die Eröffnungsoper überregional Aufmerksamkeit. Die italienischen Rezipienten lobten die Inszenierung sehr und Dittersdorf sprach von einem Erfolg der Oper. Gluck selbst war mit dem Spiel des Orchesters nicht zufrieden, das trotz zahlreicher Proben zu wenig Präzision gezeigt hatte. Die Oper wurde vom 14. Mai bis 29. Juni 1763 28mal in Bologna aufgeführt. Eine spätere Aufführung ist nicht nachweisbar, erst 2001 wurde beim Lugano Opera Festival eine bearbeitete Fassung gespielt.

Die Überlieferung von Il trionfo di Clelia weist einige Besonderheiten auf: So entspricht es zwar der Regel, dass weder ein vollständiges Autograph erhalten ist noch ein zeitgenössischer Druck angefertigt wurde, doch bringen der Verlust des II. Aktes der Hauptquelle (Göttweig, Musikarchiv des Benediktinerstifts) sowie Überschreibungen des erhaltenen Autographs der Ouvertüre (Paris, Bibliothèque-Musée de l´Opéra) ungewöhnliche editorische Herausforderungen mit sich. Als wichtige Editionsgrundlage diente daher eine weitere Abschrift aus dem 18. Jahrhundert (Berlin, Staatsbibliothek), die vollständig überliefert ist. Hinweise auf inhaltliche Komponenten des verlorenen II. Aktes der Hauptquelle sind daneben zwei jüngeren Abschriften zu entnehmen (Bern, Schweizerische Nationalbibliothek und Brüssel, Bibliothèque du Conservatoire Royal de Musique), die beide auf die Göttweiger Quelle zurückzuführen sind und die somit zudem belegen, dass der II. Akt der Hauptquelle bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch existierte. Der Librettodruck der Uraufführung hat sich in mehreren Exemplaren erhalten. Partiturabschriften einzelner Arien sind nur in geringer Zahl vorhanden, sie waren für die Edition nicht von Belang.

Der im Rahmen der Gluck-Gesamtausgabe gängigen Band-Gestaltung entsprechend, finden sich in der Ausgabe neben dem Notentext Vorwort, Bildbeigaben und Kritischer Bericht.

Zurück zum Nachrichtenarchiv