Das Projekt „Christoph Willibald Gluck – Sämtliche Werke“

Nach dem zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts unternommenen Versuch der neu gegründeten Gluck-Gesellschaft, eine „kritisch gesicherte Ausgabe der Werke Glucks“ herauszugeben, begann Rudolf Gerber 1943 mit den Vorarbeiten zu einer neuen, auf einer umfassenden Quellenforschung und -sammlung basierten Gluck-Gesamtausgabe (GGA). Wieder wurde der Projektbeginn durch Kriegswirren und -nachwirkungen verzögert, bis 1951 der erste Band L’Ivrogne corrigé vorgelegt werden konnte. Nach Gerbers Tod übernahm für zwei Jahre Friedrich-Heinrich Neumann die Editionsleitung, ihm folgte 1959 Gerhard Croll. Mit der Übernahme der GGA 1978 in das Akademienprogramm und der Einrichtung des Projekts an der Mainzer Akademie der Wissenschaften und der Literatur war die Finanzierung des Langzeitvorhabens gesichert. Neben der Arbeitsstelle in Mainz verfügt die GGA seit 2011 über eine weitere am Institut für Musikwissenschaft der Goethe-Universität, Frankfurt am Main. Zudem gibt es seit 1966 eine Gluck-Forschungsstelle in Österreich, die am Fachbereich Kunst-, Musik- und Tanzwissenschaft der Paris-Lodron-Universität Salzburg angesiedelt ist.

Ziel der GGA ist es, Glucks Gesamtwerk in einer historisch-kritischen Edition für Wissenschaft und musikalische Praxis vorzulegen. Hierzu gehören neben dem Notentext und dessen textkritischer Kommentierung umfangreiche Informationen zur Werkgeschichte und zur zeitgenössischen Rezeption; ebenso werden Faksimilia der Textbücher im jeweiligen Band abgedruckt. Glucks Œuvre, das nur selten im Autograph erhalten ist, umfasst ein vielfältiges Spektrum tradierter und neuer Opernformen des 18. Jahrhunderts und schließt zudem Sinfonien, Triosonaten sowie Oden und Lieder ein. Dank der bereits vorgelegten Bände der GGA gelangen neben seinen Reformopern zunehmend auch Werke anderer Gattungen ins Bewusstsein der breiten musikalischen Öffentlichkeit. Den Schwerpunkt der editorischen Arbeit der nächsten Jahre bilden die Opere serie aus Glucks früher Schaffensphase, Opéras-comiques sowie seine Ballette.

Der Klassifikation Rudolf Gerbers folgend, ist die GGA nach Werkgruppen eingeteilt: I. Musikdramen, II. Tanzdramen, III. Italienische Opere serie und Opernserenaden, IV. Französische Komische Opern, V. Instrumentalmusik und VI. Vokalmusik. Sie erscheint beim Bärenreiter-Verlag und wird 59 Bände umfassen: 52 Notenbände mit eingebundenen Kritischen Berichten, 3 separate Kritische Berichte und 4 Supplementbände; seit 1951 sind 45 Bände erschienen. Zudem wird das Werk- und Quellenverzeichnis, das mit Abschluss der GGA als Print-Version publiziert werden soll, bereits heute der Öffentlichkeit zugänglich gemacht: in sukzessiver Weise erscheinen die erarbeiteten Erkenntnisse zu einzelnen Werken in der hier präsentierten Digital-Version.

Mit jedem vorgelegten Band der GGA erweitert sich die wissenschaftliche Kenntnis über das Schaffen eines bedeutenden Komponisten des 18. Jahrhunderts, über die Wechselwirkungen von gesellschaftlichen und künstlerischen Voraussetzungen sowie über die kompositorischen Mittel eines Personalstils, der abhängig von Gattung und Schaffensphase variiert. Für Studium und Lehre des Faches Musikwissenschaft sowie in den Künstlerischen Studiengängen bildet die Gesamtausgabe eine verlässliche Basis. Für die musikalische Praxis stellt sie ein reiches Angebot zur Erweiterung des bislang gepflegten Repertoires dar.

Träger

Träger der Gluck-Gesamtausgabe ist die Akademie der Wissenschaften und der Literatur | Mainz; Vorsitzender der Kommission für Musikwissenschaft der Akademie ist Professor Dr. Albrecht Riethmüller (Berlin).

Die Editionsarbeiten werden gefördert durch die Union der deutschen Akademien der Wissenschaften, vertreten durch die Akademie der Wissenschaften und der Literatur | Mainz, aus Mitteln

  • des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, Bonn und Berlin,
  • des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur, Rheinland-Pfalz, Mainz,
  • des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst, Wiesbaden,
  • des Bundesministeriums für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft, Wien.